Velofreunde Großwelzheim mit Mountainbike quer durch Schottland


4 Velofreundinnen und 11 Velofreunde aus Karlstein, Hörstein und Kahl begaben sich Ende Juni auf eine Coast-to-Coast Mountainbike-Tour durch Schottland – vom Atlantik zur Nordsee in 7 Tagen.

Für ihren alljährlichen Alpencross hatten sich die Velofreunde Großwelzheim für dieses Jahr etwas ganz Besonderes herausgesucht. Nach Mountainbike-Touren durch die Alpen in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Lichtenstein und Frankreich in den vergangenen Jahren, sollte in diesem Jahr die einwöchige Tour quer durch Schottland gehen. Da dies auch logistisch eine Herausforderung war, wurde mit „Trailbrakes“ eine Unterstützung aus Schottland gebucht. Geplant wurde eine Coast-to-Coast Tour mit Strecken von den Highlands an der Westküste, durch den Cairngorms National Park im Landesinneren, bis nach Montrose an der Ostküste. Ende Juni wurde der Plan in die Tat umgesetzt. Die 15 Mountainbikes und das Gepäck von zwei Velofreunden in einem Transporter auf dem Wasserweg nach Schottland gebracht, traf man sich am 23. Juni in Edinburgh, wo die restlichen Mountainbiker per Flugzeug eintrafen. Der Support „Trailbrakes“ übernahm dann den weiteren Shuttle und brachte die Velofreunde, samt Räder und Gepäck nach Fort William, an den Startpunkt der Tour.

Gleich die erste Etappe am nächsten Tag sollte zeigen, auf was für ein Abenteuer sich die Großwelzheimer eingelassen hatten. Ausgerüstet mit Navigationsgeräten, die die zu fahrenden Strecken anzeigten, mussten zunächst die Mountainbiker, die sich immer in zwei Leistungsgruppen eingeteilt hatten, nach Westen Richtung Glenelg fahren. Hier zeigte sich das Wetter von seiner „schottischsten“ Seite. Der Wind peitschte den Regen so stark den Mountainbiker waagrecht ins Gesicht, dass das Radfahren nur sehr langsam und mühsam voran ging. Der Weg verlief über Berge, durch Bachläufe, vorbei an vielen Highland-Rindern und noch mehr Schafen. An einem der vielen Bäche gab es keine Brücke oder eine andere Möglichkeit diesen trocken zu überqueren Außerdem war er aufgrund des Wetters bis zu einem 15 m breiten Fluss angeschwollen, so dass die Biker mit erhobenen Rädern durch das mehr als knietiefe Wasser wateten und dabei der starken Strömung standhalten mussten. Der Kommentar von Trailbrakes-Peter nach 120 km und 2000 Höhenmetern bei diesen Bedingungen am ersten Tag: „What an epic first day.“

Auch die nächsten sechs Etappen blieben immer wieder auf neue Weise beeindruckend und herausfordernd. Während der zweiten Etappe ging es an der Westküste entlang Richtung Norden nach Annat, vorbei am Eilean Donan Castle, der berühmten Burg aus den Highlander-Filmen, und durch wirklich spektakuläre und menschenleere Pässe und Küstenstraßen der Highlands. Die dritte Etappe führte von Annat nach Inverness durch eine weitläufige Hügellandschaft mit Heidekraut, Ginster,  schottischen Pinien und schönen Wasserfällen. Am vierten Tag verlief die Strecke Richtung Cairngorms National Park. Vorbei an wunderschönen Landschaften in unzählbaren Grüntönen diente unter anderem auch eine Burgruine aus dem 18. Jahrhundert als Anlass für eine Fotopause. Die beiden nächsten Etappen querten komplett den Nationalpark, durch herrliche Heidelandschaften und uralte knorrige Wälder, sowie entlang von felsigen Flussläufen und einem großen See mit Sandstrand, waren die Radfahrer doch sehr von der abwechslungsreichen Vegetation und den zahlreichen Schafen beeindruckt. Eine der Übernachtungen war in Tomintoul am berühmten Whisky Trail und Sitz der zweithöchst gelegenen Destille Schottlands. Ein weiterer Stopp auf der Route war das Balmoral Castle, die Sommerresidenz der Queen. Nach einer relativ nassen Anfahrt konnte sich die Gruppe hier unter anderem mit Tee und Shortbread stärken, denn anschließend ging es zu einer Führung mit Whisky-Probe in einer der vielen schottischen Destillen. Die letzte und siebte Etappe führte die Mountainbiker zunächst am Fluss Dee entlang. Später hieß es wieder mehrere Berge und Pässe mit blühendem Heidekraut in einsamen Gegenden zu überwinden. Wie schon gewohnt musste auch hier immer wieder vom Rad abgestiegen werden, um Bäche und felsige Wegstellen zu überqueren. Zu einer Gruppe vereint fuhren dann die beiden unterschiedlichen Leistungsklassen die letzten Kilometer Richtung Ostküste gemeinsam. Die Vorfreude bald am Ziel zu sein, wuchs bei den Teilnehmern der Tour mit jedem schwindenden Kilometer, der noch zu fahren war. Die letzten Meter waren eine Triumphfahrt ans Meer. Peter von „Trailbrakes“ empfing die Gruppe an ihrem Ziel nicht mit Sekt, sondern auf schottische Art und Weise mit einer Flasche Whisky. An dieser Stelle sei erwähnt, dass mit „Trailbrakes“ ein äußerst zuverlässiger und hilfreicher Support gebucht werden konnte. Dieser kümmerte sich um Unterkünfte,  Alternativstrecken mit GPS-Daten, Verpflegung,  Zeitungen für trockene Schuhe, Gepäcktransport von Unterkunft zu Unterkunft und um den Transport von maximal acht Mountainbikern samt Bikes, die die eine oder andere Etappe auf diese Weise etwas verkürzen konnten. Somit konnte jeder seiner Leistung entsprechend die Etappen gestalten. An der Ostküste in Montrose angekommen war das Glücksgefühl unbeschreiblich und es entstanden die schönsten Fotos von Mountainbikern samt Rädern und Kleidung in der tosenden Nordsee. Die abenteuerliche Reise auf dem Mountainbike durch das wundervoll wilde Schottland war geschafft.

Je nach dem, in welcher Gruppe gefahren und wie der Shuttleservice von „Trailbrakes“ in Anspruch genommen wurde, fuhren die Mountainbiker in dieser Woche zwischen 480 und 650 Kilometer und „kletterten“ 6300 bis 9500 Höhenmeter bergauf. Die raue Landschaft, das wechselhafte Wetter sowie die Streckenführung durchs Gelände verlangten Material und Fahrern alles ab. Die Gruppe verbrachte im Anschluss noch einen Tag und eine Nacht in Edinburgh, bevor es mit Schiff und Flugzeug wieder Richtung Heimat ging. Es wird sicherlich einige Zeit dauern, bis die Velofreunde ihre vielen Impressionen verarbeitet haben, aber bleiben wird garantiert der Eindruck der Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Schotten, ebenso wie die Erinnerung an das für die Leistung grundlegende alltägliche Frühstück mit Haggis bei den Velofreunden und Porridge bei den Velofreundinnen und die Weisheit, dass es in Schottland bei jedem Wetter regnet.