7. Etappe Ballater – Montrose am 29.Juni 2017

Strecke: Ballater (Trail 195) – Dinnet – Mount Keen – Tarfside – Edzell (Trail B966) – Montrose

Übernachtung: Park Hotel  

Vom Essen in Schottland wurden wir bisher nicht enttäuscht. Ganz in Gegenteil sogar! Auch gestern Abend wurden unsere hungrigen Mägen wieder sehr verwöhnt. Nicht in Prinz Charles Restaurant hier in Ballater (schön gemütlich und nett, aber auch sehr teuer), sondern vom Restaurant direkt gegenüber von unserem Habitat Hostel. Die meisten von uns hatten sich für das superzarte 12 Stunden gegarte Beef entschieden und waren begeistert.

Am Morgen bereiteten wir uns gemeinsam ein weiteres nährendes Frühstück und starteten heute in vom Vortag noch feuchten Kleidern, aber bei wenigstens trockener Witterung in die letzte Etappe. Erste Ermüdungserscheinungen machten sich breit: Knieschmerzen, Erkältung mit „Rotz in allen Farbschattierungen“ und einer einzelnen trotzig-ironischen Entscheidung für die Fahrt in Peters Begleitbus denn „ohne Regen macht das Radfahren ja keinen Spaß“.

Dennoch, mit leichten Ringen unter den Augen, aber einem entschlossenen Glühen in den Augen beschlossen die meisten der tapferen Mädels sich die heutige Etappe bis zum Ende komplett zu erkämpfen.

Zu Beginn der Etappe folgten wir dem River Dee flußabwärts und aus der trockenen Witterung wurde die gewohnte und schon fast lieb gewonnene feuchtere. Als erste Herausforderung stand eine Passüberquerung auf dem Plan. Um diesen zu erreichen nahmen wir zunächst einen schmalen Wanderpfad der wieder anspruchsvoll zu fahren bzw. zu schieben war. Der Pfad verlief durch einen mystischen Wald mit verwunschenen knorrigen Bäumen, Moos und Farne. Später kamen wir wieder auf einen breiteren Weg, der uns über die erste leichte Passhöhe führen sollte. Immer noch nieselte es und der Nebel hing tief.

Die Abfahrt vom ersten Pass sollte gerade aus verlaufen und war sehr schnell. Die rasanteren Jungs nahmen das gerne mit und wollten den Schwung für den Anstieg zur zweiten und schwereren Passüberquerung nutzen. Diejenigen, die es ruhiger angehen ließen, konnten bald mehrere entfernte gelbe Punkte im nächsten Anstieg sehen. Die Punkte waren jeweils der Regenüberzug für den Rucksack. Zu denen die es eher ruhig angehen ließen gehörte auch Ali, der die Gruppe navigierte. Das mit dem immer nur gerade aus war mehr auf die Richtung als auf den Weg bezogen und die meisten waren schon lange an unserer Wegabzweigung vorbei gerast. An dieser warteten die Bedächtigeren jetzt darauf, dass die Raser umkehren. Diese aber dachten, dass es Hinten wohl einen Defekt gab. Also fuhr Alban mit Werkzeug zurück um den vermeintlichen Schaden zu beheben. Wie sich schon bald heraus stellte gab es nichts zu beheben. Um über die große Entfernung zu signalisieren, dass das Problem eher in der Streckenführung liegt, fuhr die leicht angewachsene bedächtigere Gruppe einfach den richtigen Weg weiter in der Hoffnung, dass dies von Weitem richtig interpretiert werden würde und die Vorausgeeilten umkehren würden. Nach so einer Woche Schottland funktioniert auch die Signalverarbeitung nicht mehr so schnell. Es dauerte etwas bis die Situation klar und die Gruppe wieder vereint war. Gemeinsam nahmen wir jetzt noch den letzten Pass der Tour in Angriff.

Nicht weit vor uns konnten wir auch schon die MäRe Crew im Nebel entdecken. Diese hatten die Strecke etwas vereinfacht und den ersten Pass umfahren. Der zweite Pass war länger und steiler als der Erste und führte bis in die Wolken hinein. Wir brauchten unsere letzten Kräfte um dieses Hindernis noch zu überwinden. Immer wieder mussten wir absteigen um Bäche oder Felsen zu überqueren auch wurde es immer steiler, bis man kaum noch fahren konnte. Oben, kurz vor dem Pass entdeckten wir das unverkennbare Zeichen der MäRE Crew, die kurz vor uns hier waren: Ein Velofreunde Aufkleber am Gatter… Bald würden wir sie einholen! Die noch rasantere Abfahrt bot die Gelegenheit dazu. Als Gruppe vereint wollten wir gemeinsam das Ziel in Montrose erreichen. Einzige Unterbrechungen waren noch ein Reifendefekt und eine leckere Kaffeepause in einem süßen Café mit leckerem Kuchen.

So langsam konnten wir das Meer förmlich riechen. Die Vorfreude bald am Ziel zu sein wuchs mit jedem schwindenden Kilometer, der noch zu fahren war. Noch ein paar Nebenstraßen und wir sind am Ziel. Komisch, dass der Weg immer schmaler wurde. So kurz vor dem Ziel wollte keiner mehr umdrehen. Nur über das Feld, dann geht der Weg weiter, war die Devise. Der lehmige Matsch des Ackers, der an Füßen, Reifen, im Getriebe und sonst noch überall klebte war so kurz vor dem Ziel moralisch schwer zu verarbeiten. Zum Glück erreichten wir bald wieder geteerte Straßen und die Triumphfahrt ans Meer konnte weiter gehen. Endlich sahen wir den Bus unseres Tourenguide Peter am Straßenrand und der letzte Kilometer war angebrochen. Jetzt war es erreicht, das große Ziel, die Küste in Montrose. Überwältigt von Gefühlen stürzten wir uns samt Räder und Klamotten ins Meer. Wir hatten es geschafft! Die abenteuerliche Reise auf dem Rad durch das wundervoll wilde Schottland hatten wir gemeistert. Es wird einige Zeit dauern die unglaublich vielen Eindrücke zu verarbeiten, die wir auf der Fahrt gesammelt haben. Jetzt sind wir erst einmal glücklich und genießen gemeinsam den Whisky der Sieger, den unser Tourenguide Peter zum Endpunkt unserer Reise für uns mitgebracht hat. Cheers auf Schottland und auf uns.